Freitag, 18. Januar 2013

Django Unchained (2012, Dir: Quentin Tarantino)


Was für ein verdammter Trip. 
Tarantinos Filmuniversum ist frei von jeglichen Konventionen und existiert ohne abgesteckte Grenzen. Alles ist möglich und Tarantino macht alles möglich. "Django Unchained" ist ein 165minütiges, kurioserweise irgendwie trotzdem zu kurzes cineastisches Lehrstück und zeigt erneut, wer derzeit der unumstrittene Meister des Dialogkinos ist. "Django Unchained" ist Buddymovie, Roadmovie, Western, Exploitation, Trash, Komödie, Drama und Lovestory in einem. Von keiner Zutat zu viel, von keiner zu wenig. Niemand sonst verleiht dem Wort "Stilsicherheit" so viel Bedeutung wie Quentin Tarantino, und das seit mittlerweile 20 Jahren. Tollkühn remixed er auch diesmal altes, klassisches, abseitiges, zeigt uns seine Version eines seiner Lieblingsgenres und besitzt sogar die Frechheit, uns einen derart anachronistischen Soundtrack um die Ohren zu ballern, der seine Wirkung eigentlich nur verfehlen kann. Tut er aber nicht. Ein weiteres Mal ist das Zusammenspiel von Bild und Ton großartig, visionär und in dieser Form absolut einzigartig. 
Warum der UNFASSBAR perfekt on point spielende Christoph Waltz nur in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" nominiert ist, weiß wohl nur die Academy. Auch das restliche Ensemble leistet durch die Bank glanzvolles, Jamie Foxx steht die Heldenrolle ausgesprochen gut und die finsteren Leo diCaprio und Samuel L. Jackson funktionieren wunderbar als gegen den Strich besetzte Antagonisten. 
Ein atemberaubendes Epos und zweifelsohne sein stärkstes Stück Filmgeschichte seit "Pulp Fiction", was einiges heißen will. Die 10 Punkte sind nur eine Frage der Zeit. 
"Django. The D is silent." 

Text: Le Samourai
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Die gegenwärtige, große Inszenierung moderner "B-Produktionen" liegt in der heutigen Filmlandschaft nahezu ausschließlich in Tarantinos Händen. Dieser Popkultur definierende Status verleitet dazu den Regisseur ausschließlich an sich selbst zu messen und innerhalb dieses gesteckten Mikrokosmos markiert "Django Unchained" eine äußerst wohltuende Rückkehr zur 90er Höchstform. 
Der Modus Operandi bleibt dabei unverändert; ein Mosaik aus inhaltlichen und stilistischen Versatzstücken, vom spärlich referenzierten, namensgebenden Vorgänger über Addio Zio Tom, Mandingo, Keoma und deren gesamter Peripherie. Vorgetragen von der A-Liste Hollywoods, mit Sam Jackson als Onkel Tom am oberen sowie Quentin selbst am unteren Ende des durchgängig erstklassigen Leistungsspektrums (unterlegt von einem wunderbar anachronistischen Soundtrack, der Ortolani und Rick Ross vereint). 
Nie geht es um das reine Zitieren, sondern um die gekonnte Vermengung einer, in ihrer Gesamtheit unüberblickbaren Vielzahl von Einflüssen. Stets enger an Corbucci als an Leone und Peckinpah wird tiefergehende Reflektion zugunsten des fantastischen Gesamtbildes der stilsicheren, zeitgemäßen Exploitation geopfert. 

Text: FredFuchs