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Dienstag, 29. Januar 2013

This Ain't California (2012, Dir: Marten Persiel)


Ein in Konzeption, Umsetzung, Ästhetik, Gefühl, Schnitt, Aussage und Wirkung perfekt funktionierendes Kunstwerk, eine "dokumentarische Erzählung" - wie Regisseur Marten Persiel seinen Film selbst beschreibt - die beispiellos für das Dokumentarfilmkino ist, und zwar nicht nur deutschlandweit. 
Sagenhaft authentisch wird das Lebensgefühl und der Zeitgeist dreier Ostberliner Skater in den 1980er Jahren rekonstruiert und präsentiert, mit genau den richtigen Tönen werden die freiheitlichen Grenzen innerhalb ostdeutscher Mauern deutlich, aber niemals mit dem erhobenem Zeigefinger der Ideologiekritik oder unnötigen Klischees. 
Der vielleicht beste DDR-Film überhaupt. 

Text: Le Samourai

Montag, 17. September 2012

This Ain't California (2012, Dir: Marten Persiel)


"Hä, das war doch jetzt nicht echt!?", sagt die Pummelfee im Kino zu ihrer Freundin, während sie sich krachend zwei weitere Pringles in den Mund schiebt und sich desinteressiert Partypics auf ihrem Handy anschaut (eine traurige, wahre Geschichte).
Tja, war es das? Doku? Fiktion? Mockumentary? Googelt man nach einer Lösung, streiten sich die einschlägigen Blätter darum, wer denn jetzt mehr "Wahrheit aufdeckt". Ich kürze das Ganze mal ab und sage: es ist sowas von scheißegal.
THIS AIN'T CALIFORNIA ist ein Film. Soviel steht mal fest. Und er erzählt eine Geschichte. Eine Geschichte über Freundschaft, Kindheit, Jugend, Sozialismus, vieles mehr und natürlich übers Skateboardfahren. Im Mittelpunkt steht Denis: Chaot, Rebell und Anführer einer Skaterclique in Ostberlin und... mehr will ich gar nicht sagen. Alles weitere, was man hier über den "Plot" zum besten gibt, bringt keinem was. Die, die den Film gesehen haben, wissen es sowieso und die, die ihn noch sehen wollen, werden gespoilert.
Ich kann nur sagen, dass man sich diesen Film unbedingt anschauen sollte. Ein Film, der nicht mit der großen Ideologiekritik um die Ecke kommt, sondern die politischen Umstände an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit in der Welt durch die Augen derer filtert, die zufällig dabei waren und... einfach nur skaten wollten.
Ob diejenigen jetzt tatsächlich dabei waren, ob sie überhaupt existierten oder nur exemplarisch stehen für Personen, die so oder so ähnlich lebten, ist nicht das worum es geht. Wen interessieren verschwimmende Grenzen von Wahrheit und Fiktion, wenn sie technisch und erzählerisch so perfekt verschwimmen, dass auf der Leinwand ein Zeitgeist, ein ganzes Lebensgefühl entsteht, das sich auch noch so dermaßen authentisch anfühlt? Mich zumindest interessiert es nicht. Es beeindruckt mich.
THIS AIN'T CALIFORNIA ist mehr als ein atemberaubend montierter, mit tollem Soundtrack unterlegter und anrührender Film über Freundschaft und Freiheit - er ist vielleicht einer der besten Filme über die DDR überhaupt.
Ob die Pummelfee das auch so sieht, weiß ich nicht. Aber sie hat ja ihre Pringles. Und so verlassen wir beide glücklich das Kino.
Text: Gordon Cole

Montag, 2. Juli 2012

Warrior (2011, Dir: Gavin O'Connor)


Es gibt Dinge, die werde ich einem Film nie abkaufen. Dazu gehört ein gut aussehender Physiklehrer mit blondem Trophy Wife und zwei Kids, der wieder in den Mixed Martial Arts-Ring steigt, um sein American Dream-Vorstadthaus vor der Pfändung zu bewahren. Auch sonst ist "Warrior" nach Minute 10 so vorhersehbar wie es nur geht. Und genauso unrealistisch. 
Sieht man aber von der krass pathetischen Machart ab, muss man sagen, dass die Kämpfe - besonders natürlich der Endfight - absolut mitreißend und technisch perfekt inszeniert sind. Und Tom Hardy ist wie immer eine Wucht. Auch Nick Noltes Leistung sticht definitiv heraus, auch wenn er es zu selten zeigen darf. Das an sich starke Familiendrama wird in wenigen Szenen kurz mal ausgesprochen. Amistyle eben, der sich auch hier wieder bei seinen starken Darstellern bedanken darf. 
Insgesamt verschenkt der Film für mich einen Teil seines Potenzials, opfert es dem Showeffekt und erreicht z.B. nicht die Tiefe eines "The Wrestler". Aber "Warrior" bleibt trotzdem ein guter Film mit tollen Hauptdarstellern und super Kampfszenen.

Text: Gordon Cole

Dienstag, 28. Februar 2012

Moneyball (2011, Dir: Bennett Miller)


Hollywood von seiner besten Seite. 
Sechs Jahre nach seinem mehr als beachtlichen Debütwerk CAPOTE versucht sich Regisseur Bennett Miller erneut an einer Romanverfilmung und schlägt dabei einmal mehr genau die richtigen Töne an. Das Autorenteam um Mastermind Aaron Sorkin hat bei der Adaption der Baseballbiographie "Moneyball: The Art of Winning an Unfair Game" von Michael Lewis glänzende Arbeit geleistet. Erzählt werden die auf wahren Begebenheiten beruhenden Ereignisse um den General Manager des Baseballteams Oakland Athletics, Billy Beane, der mithilfe eines Yale-Wirtschafts-Absolventen das Team trotz enormer finanzieller Defizite, dafür mit Mathematik und neuen Denkstrukturen, in der Saison 2002 zurück auf die Siegerstraße gebracht hat. 
Auch wenn man (wie ich) keinen blassen Schimmer von der Sportart hat, ist der Film trotzdem enorm interessant, unterhaltsam und äußerst spannend. Anstatt auf Regelwerk und Spielsituationen ihr Augenmerk zu legen, konzentriert sich die Erzählung fast ausschließlich auf die Arbeit und Querellen hinter den Kulissen des Teams. 
Miller inszeniert detailgetreu, stimmig, besonnen, unaufgeregt. Cutter Christopher Tellefsen leistet exzellente Arbeit im Schnittraum, da er die tollen Bilder von Wally Pfister genial mit vorhandenem Archivmaterial kombiniert. 
An der Besetzung gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Philip Seymour Hoffman ist sowieso immer überragend und Brad Pitt beweist in einer - für ihn eher seltenen - ernsten, authentischen Rolle einmal mehr, dass er zu den allergrößten seiner Zunft gehört. Der Oscar wäre sicherlich absolut verdient gewesen. 
Wie gesagt, MONEYBALL ist Hollywoodkino at its best, ein tolles Stück verfilmte Zeitgeschichte und wäre für mich ein berechtigterer Sieger der diesjährigen, äußerst missglückten Oscarverleihung gewesen. 

Text: Le Samourai

Mittwoch, 18. Mai 2011

Senna (2010, Dir: Asif Kapadia)


Welche bessere Form könnte es geben das Leben und Wirken eines der größten Sportler aller Zeiten für nachkommende Generationen festzuhalten als die filmische? SENNA ist eine intensive Dokumentation, die sich weniger mit dem Privatleben seiner Titelfigur, als mit dem sportlichen Werdegang auseinandersetzt.
Regisseur Asif Kapadia nutzt die andauernde Rivalität zwischen Ayrton Senna und Alain Prost als Aufhänger um Sennas außergewöhnlichen, von Erfolgsgedanken durchsetzten Charakter abzubilden. Immer wieder, bildlich als auch wörtlich gesprochen, rasselten die einstigen Team-Kollegen aneinander, und pushten sich so zu sportlichen Glanzleistungen der Extra-Klasse. Das Archiv-Material ist ein absoluter Traum, und lässt wehmütig an Formel-1-Zeiten denken, in denen die talentiertesten Fahrer und nicht die Teams mit der besten Strategie die Rennen gewannen.
Die Filmemacher müssen sich durch unvorstellbare Mengen TV-Archiv-Material gekämpft haben; eine Arbeit die sich auf ganzer Linie bezahlt gemacht hat: Durch die Möglichkeit zwischen mehreren Bildern unterschiedlicher Sender ein und der selben Szene zu alternieren, bekommt die Montage fast schon spielfilmartigen Charakter und hebt sich so klar von üblichen Dokumentationen ab.
In regelmäßigen Abständen erhebt der Film in tödlicher Gewissheit der Geschichte Sennas den Zeigefinger und verdeutlicht dem Zuschauer die dauerhaft anwesende Gefahr, welcher die Motorsportler ausgesetzt sind und erzeugt so eine atmosphärische Dichte, die unweigerlich auf das tragische Ende hinführt. Der perfekt abgestimmte Soundtrack fügt sich nahtlos ein und verschmilzt häufig mit dem Jaulen der Motoren zu einem traurigen Abgesang auf das Rennfahrer-Idol.
Sennas letzte Runde vor dem Unfall lässt uns der Regisseur aus der atemberaubenden Cockpit-Perspektive ungeschnitten miterleben und schlachtet den dramaturgischen Höhepunkt des Films danach keineswegs aus. Nur einmal sehen wir den Crash und wenige Bilder des leblosen Körpers dieses Ausnahme-Sportlers, danach neigt sich der Film dem Ende zu und schließt endgültig mit der Stimme Sennas, die uns ein letztes Mal seine außerordentliche Leidenschaft für diesen Sport schildert...

Text: andyewest88