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Mittwoch, 6. Juni 2012
Berlin: Die Sinfonie der Großstadt (1927, Dir: Walter Ruttmann)
In "Berlin: Die Sinfonie der Großstadt" nimmt uns der Regisseur Walther Ruttmann mit auf eine 1-stündige experimentelle Reise durch einen Tag im Berlin der 20er Jahre.
Menschen, Tiere, Züge, Gebäude, Technik und Industrie - die mannigfaltigen Eindrücke des Berlins im Wirtschaftsaufschwung, untermalt von Edmund Meisels Klaviermusik, verschmelzen zu einem audiovisuellen Meisterwerk. Und das aus dem Jahre 1927!
Gleich zu Beginn kann man Schnittfrequenzen und Tempowechsel bestaunen, die es mit modernen Musikvideos aufnehmen könnten (nur dass sie nicht so nervig sind). Kombiniert mit unzähligen innovativen Kameraeinstellungen und -fahrten wird der Film wirklich zu einem kaleidoskopartigen Trip. Das Berlin der goldenen 20er in all seinen Facetten, die Stadt als lebendiger Organismus.
Zeitgeschichte, Berlingeschichte, Filmgeschichte. "Berlin: Die Sinfonie der Großstadt" - als Deutschland das visionärste Filmland der Welt und Berlin seine Hauptstadt war.
Text: Gordon Cole
Freitag, 1. Juli 2011
Prelude: Dog Star Man (1962, Dir: Stan Brakhage)
In einem Bereich wie der Avantgarde, in dem die einzelnen Einträge kaum unterschiedlicher ausfallen könnten, von hoher Genrekunst zu sprechen ist nicht unbedingt vielsagend, aber im Falle von "Dog Star Man" scheint dies noch die passendste Umschreibung.
Der Zyklus, bestehend aus fünf Teilen, beginnt und endet mit der Entstehung des Universums, dazwischen beschäftigt er sich mit der Rolle des Menschen in der Natur. Man sieht Brakhage selbst wie er in der Rolle des Mannes mit der Besteigung eines verschneiten Berges kämpft (eines der seltenen humoristischen Elemente in seinen Filmen) um einen Baum zu fällen. Man sieht seine Familie, Bilder seines Kindes, seiner Frau und Aufnahmen der verschneiten Landschaft. Fliessend abgelöst werden diese mit Kamera gedrehten Szenen durch Zelluloidstrecken die er selbst physisch entfremdet hat; durch von ihm perfektionierte Techniken wie dem Zerkratzen und Bemalen jedes einzelnen Frames erzeugt er Passagen die von ihm als "closed-eye vision" verstanden wurden, die Bilder, die wir vor unseren geschlossenen Augen sehen. Durch staccatohafte Schnitte, Farbfilter und der teils mehrfachen Überlagerung des Materials entsteht eine Synthese der verschiedenen Elemente, ein einzigartiges Schauspiel aus Licht, Formen und Farben aus dem Unterbewusstsein von Stan Brakhage.
Manche Werke distanzieren sich so stark von den Normen mit denen gemeinhin Film als reines Unterhaltungsmedium abgesteckt wird, dass sie leider ausserhalb von Vorstellungen an Universitäten und als Loops in Museen kaum Zuschauer finden, daher lässt sich Brakhages Oeuvre von mehr als 300 Kurzfilmen eine gewisse akademische Exklusivität nicht absprechen. Aufgrund der Abstraktheit der Bilder (auch wenn er selbst mit jedem seiner Frames ganz konkrete Anliegen verband) und ihrer Anordnung, die keiner dimensionalen Logik unterliegt, ist es notwendig seine eigenen, sehr persönlichen Verbindungen zu schaffen, dies macht seine Filme zu den subjektivsten Erfahrungen die die Kunstform hervorgebracht hat.
Text: FredFuchs
Labels:
drama,
experimental,
prelude: dog star man,
short,
stan brakhage
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