Dienstag, 19. Februar 2013

Silver Linings Playbook (2012, Dir: David O. Russell)


Sensationelles Juwel aus dem Hause Weinstein. Und das auf mehreren Ebenen. Zum einen überrascht es mich zutiefst, dass der gleiche Filmemacher, der vor zwei Jahren noch mit dem uninspirierten und überflüssigen "The Fighter" langweilte, nun eine derart frische, sympathische, eigen- und tiefsinnige Tragikomödie auf die Leinwand zaubert, dass man zwei Stunden lang vor Glück und Verzückung lachen und weinen zugleich möchte. Russells feinfühlige Inszenierung, authentische Dialoggestaltung und wunderbare Charakterzeichnung machen es unmöglich, diesen Film nicht zu mögen. 
Eine weitere Sensation ist die Besetzung und die Überraschungen, die daraus resultieren. Dass Bradley Cooper weit mehr kann als pubertierende Jungs mit "Hangover" zu beglücken, hat er ja bereits im fantastischen "Limitless" unter Beweis gestellt. Jedoch ist er mit seiner schwierigen Rolle in "Silver Linings" endgültig zu einem der interessanten und hoffnungsvollsten Darsteller unserer Zeit gereift. Eine derartige Rolle überzeugend zu verkörpern ist ein verdammt schmaler Grat - aber Cooper wandelt auf ihm mit Bravour und erstaunlicher Souveränität. Die größte Überraschung für mich ist jedoch Jennifer Lawrence. Bis jetzt nur im kolossal verunglückten "Hunger Games" gesehen und direkt wieder vergessen, hinterlässt sie mit ihrer unglaublich präsenten Performance von Wahnsinn bis Feingefühl einen wohl sehr lange bleibenden Eindruck. Die Harmonie der beiden ist wunderbar, ihre verletzten und gebrochenen Charaktere bilden eines der interessantesten und einfühlsamsten Leinwandpaare der letzten Jahre. 
Und noch etwas kaum für möglich gehaltenes ist passiert: Robert de Niro, living legend und mein Lieblingsschauspieler für alle Zeiten, kann auf seine alten Jahre endlich mal wieder voll und ganz glänzen. Als neurotischer, Football-verrückter Dad zeigt er noch mal die gesamte Palette seines Ausnahmekönnens. Wunderbar. 
So toll können Liebesdramen sein. So toll können romantische Komödien sein. "Silver Linings" ist nie zu traurig, nie zu lustig, nie zu kitschig, nie zu vorhersehbar. Er ist herzerwärmend, tiefsinnig, kurzweilig und einfach nur verdammt brillant. Einer der absoluten Jahreshöhepunkte und schon jetzt irgendwie moderner Klassiker.

Text: Le Samourai
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Mit Tanzszenen, die aller Wahrscheinlichkeit nach in Romantik enden, kann man mich in 9 von 10 Fällen jagen. "Silver Linings Playbook" ist glücklicherweise Fall 10 von 10. 
Hier passt einfach alles zusammen, kommt unaufgeregt und nicht kitschig daher und nimmt genau den Raum ein, den es braucht. Bradley Coopers Performance ist große Klasse. Jennifer Lawrence steht dem in nichts nach. Und das Einzige, was noch schärfer ist als sie selbst, sind die Dialoge. 
Eine besondere Freude ist auch Robert De Niro, der trotz der vielen Flops der letzten ca. 15 Jahre immer noch (und wohl auf ewig) mein Lieblingsschauspieler ist. Hier darf er in einigen Momenten wirklich mal wieder zeigen, was er kann. Super. 
Eine rundum gelungene Tragikomödie.

Text: Gordon Cole

Seven Psychopaths (2012, Dir: Martin McDonagh)


Da ist er endlich, der heiß erwartete zweite Spielfilm des Brügge-Genies Martin McDonagh. Kann er mit seinem meisterhaften Erstlingswerk mithalten? Natürlich nicht. Ist sein zweiter Streich trotzdem brillantes Kino? Mit Sicherheit. 
McDonagh präsentiert mit SEVEN PSYCHOPATHS eine absurd-groteske Metzeloper, erneut unterlegt mit den fantastischen Klängen des Ausnahmekomponisten Carter Burwell. 
Seine enorm lustige Gangsterkomödie ist selbstreflexiv, nimmt das Genre nach Strich und Faden auseinander und ist der lange überfällige Abgesang auf selbiges. 
Die Besetzung um Colin Farrell, Sam Rockwell, Tom Waits, Christopher Walken, Woody Harrelson und Harry Dean Stanton ist natürlich fantastisch, und jeder einzelne darf mit erneut brillant geschriebenen Dia- und Monologen glänzen. 
Definitiv ein Höhepunkt im Post-Tarantino-Gangsterfilm-Universum und - wie schon erwähnt - McDonaghs hochironische "Abrechnung" mit selbigem. Bleibt nur die Frage, was man als nächstes von ihm erwarten darf. Einen weiteren Gangsterfilm eigentlich nicht.

Text: Le Samourai

Prince Avalanche (2013, Dir: David Gordon Green)


Wunderbar unkonventionell-skurriles Buddy-Roadmovie mit so einigen magischen Momenten und hervorragenden Dialogen, einer perfekten Chemie zwischen Paul Rudd und Emile Hirsch, sowie einem äußerst stimmigen, elegischen Soundtrack von "Explosions in the Sky". 
Definitive Empfehlung!

Text: Le Samourai

Nugu-ui ttal-do anin Haewon (2013, Dir: Sang-soo Hong)


Was für ein kleiner, feiner, unaufgeregter Film (engl. Titel: "Nobody's Daughter Haewon"), voll zarter Poesie, elementaren Lebensweisheiten und wunderbarem Humor. Hong Sang-soo's lange, statische Einstellungen lassen den tollen Darstellern viel Raum zur Entfaltung und Improvisation. Für solche Filme liebe ich die Berlinale, denn ich bezweifele stark, dass man diese klitzekleine südkoreanische Produktion in nächster Zeit noch mal zu Gesicht bekommen wird.
Text: Le Samourai

The Perks of Being a Wallflower (2012, Dir: Stephen Chbosky)


Ezra Miller = Schauspielgott. 
Ansonsten wurde ich gerade vollkommen unerwartet umgehauen, aus emotionaler und auch aus handwerklicher Sicht. Mit Sicherheit einer der besten (wenn nicht DER beste) Coming-Of-Age-Film seit langer, langer Zeit, der vollkommen unprätentiös, authentisch und ehrlich Themen wie Anerkennung, Freundschaft, Liebe und Homosexualität behandelt. Erstaunlich und beachtlich, wie es Stephen Chbosky gelingt, eigentlich ausgelutschte Themen wie erste(r) Liebe/ Sex und Erwachsenwerden angenehm frisch und weitestgehend klischeefrei zu verpacken. 
Absolute Überraschung.

Text: Le Samourai

Don Jon's Addiction (2013, Dir: Joseph Gordon-Levitt)


"Real pussy is fine - but not as good as porn"
Jon muss es wissen, denn er bekommt quasi jede. Und trotzdem ist der muskulöse, gut aussehende Vorzeigechecker süchtig nach Internetpornos.
Ungewohnt prollig macht Joseph Gordon-Levitt in seinem Regiedebüt auch hier eine gute Figur. Seine White Trash-Italo-Familie steht dem in nichts nach. Spätestens jedoch nach Scarlett Johanssons Auftritt als leicht bitchig angehauchte Prinzessin mit Spießerweltbild weiß man, dass man es mit sehr überzeichneten Charakteren zu tun hat. Dieser Umstand fördert vor allem die Komik, die gut getimet und mit einigen witzigen Einfällen garniert ist. Den Film vor der eigenen Belanglosigkeit rettet die wie immer tolle Julianne Moore. Ihre Figur bringt die notwendige Tiefe in die Story. Einige Szenen zwischen ihr und Joseph Gordon-Levitt sind dabei sehr intensiv und richtig gut.
Insgesamt ist "Don Jon's Addiction" kein herausragendes, aber ein sehr sehenswertes Debüt von Joseph Gordon-Levitt. Und eines kann er sich auf die Fahne schreiben: Er hat wahrscheinlich DEN Porno-Wichsfilm der Neuzeit gedreht. :)
Text: Gordon Cole

Paradies: Liebe (2012, Dir: Ulrich Seidl)


Die besten "deutschen Filme" machen nach wie vor die Ösis. Man weiß eigentlich nie, ob man über die Absurdität lachen, über das Leben der Figuren traurig oder über das Gesamtbild verstört sein soll. Alles pass(ier)t zusammen und entwirft eine ganz eigene Realität. Nie gibt einem Seidl auch nur den kleinsten Hinweis und bleibt bedingungslos wertungsfrei. Er lässt das Leben die Arbeit machen, denn das ist schon lustig, traurig und absurd genug. Die Betonkamera liefert meisterliche Bildkompositionen des Grotesken, das man mit einer Mischung aus Mitleid und Fremdscham teilweise einfach durchstehen muss. Wenn einem der Sinn danach steht. Diese Konsequenz ist anstrengend und man muss sie nicht mögen, aber in ihrer Gesamtwirkung ist sie auch irgendwie genial.
Text: Gordon Cole

L'humanité (1999, Dir: Bruno Dumont)


Dieser Emmanuel Schotté ist schon ein Phänomen: Seine erste und einzige Rolle verdankt er wohl nicht nur Bruno Dumont, der den arbeitslosen Soldaten einfach von der Strasse wegcastete, sondern vor allem seinem intensiven Spiel, diesen unglaublichen Blicken, dieser unendlichen Melancholie, die ihm in Cannes den Preis für den besten Hauptdarsteller einbrachte und die vermutlich nicht gespielt ist, sondern einfach echt. Traurige Randnotiz: Schotté kam mit dem Erfolg nicht zurecht und trat nie wieder vor die Kamera. Grund genug diesen Film zu sehen.
Text: Windom Earle

Dienstag, 29. Januar 2013

This Ain't California (2012, Dir: Marten Persiel)


Ein in Konzeption, Umsetzung, Ästhetik, Gefühl, Schnitt, Aussage und Wirkung perfekt funktionierendes Kunstwerk, eine "dokumentarische Erzählung" - wie Regisseur Marten Persiel seinen Film selbst beschreibt - die beispiellos für das Dokumentarfilmkino ist, und zwar nicht nur deutschlandweit. 
Sagenhaft authentisch wird das Lebensgefühl und der Zeitgeist dreier Ostberliner Skater in den 1980er Jahren rekonstruiert und präsentiert, mit genau den richtigen Tönen werden die freiheitlichen Grenzen innerhalb ostdeutscher Mauern deutlich, aber niemals mit dem erhobenem Zeigefinger der Ideologiekritik oder unnötigen Klischees. 
Der vielleicht beste DDR-Film überhaupt. 

Text: Le Samourai

Milk (2008, Dir: Gus Van Sant)


Sensationeller Film. So, genau so muss ein gutes Biopic aussehen. Mit viel Liebe zum Detail, authentisch, wertfrei und mit großem Respekt vor den Menschen, deren Leben dargestellt werden. Dabei vergisst Van Sant allerdings nicht, die Anforderungen, die so eine Major-Produktion stellt, zu erfüllen. Das Script ist konzentriert, die Inszenierung kraftvoll, die Spannung durchgehend hoch. Der Cast wurde perfekt zusammengestellt und glänzt durch die Bank, angeführt und gekrönt von einem sensationell spielenden Sean Penn in seiner wohl besten Rolle überhaupt.
Text: Le Samourai

The Limits of Control (2009, Dir: Jim Jarmusch)


Jim Jarmuschs elegische Ode an die Langsamkeit: Ein mäandernder Anti-Thriller, der mit so ziemlich jeder Genre-Konvention bricht oder diese ad absurdum führt. Ein meditatives Filmerlebnis mit - wenn man sich darauf einlässt - enormer Sogwirkung dank durchgehend umwerfend schöner Einstellungen und Bildkompositionen von Christopher Doyle und einem spärlichen, aber wunderbar passenden Soundtrack. Nebenbei ist LIMITS OF CONTROL auch Liebeserklärung an ein seltsam verlassenes und melancholisches Spanien. 
Jarmuschs "schlechtester" Film? Vielleicht. Trotzdem ein ganz hervorragender. 

Text: Le Samourai

A torinói ló (2011, Dir: Béla Tarr)


Vorsichtiges Öffnen von Wasserflaschen und Rascheln des Feuilletons - genauso konsequent anachronistisch wie die Filme selbst ist auch die Publikumserfahrung. 
"The Turin Horse" bildet einen wunderbaren Schlusspunkt zu Tarrs aussergewöhnlichem Oeuvre. Die meditative Beobachtung der conditio humana als zentraler Dreh- und Angelpunkt, inszeniert als triste Zeitschleifen wie Daueranschläge in Moll. So minimalistisch wie noch nie zuvor stellt er uns vor ein s/w Diorama des täglichen Lebens bar jeglicher Information die dem Zuschauer sonst so aufgesetzt einen Zugang zu den Figuren ermöglichen - in der Methodik schon beinahe bindend nahe an avantgardistischen Leistungen wie Chantal Akerman's "Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles". 
Wie gewohnt komplementiert die eindrucksvolle Cinematographie den kargen Inhalt hin zur formellen Perfektion und oftmals wird einem die Genialität der Kompositionen erst nach Minuten von zeitlupenartigen Dollybewegungen und Zooms bewusst. 
Tarr löst sein Kino von jeglichen Störfaktoren, streift alles überflüssige ab und verlässt sich vollkommen auf die puristisch-ursprüngliche Kraft seiner Inszenierung. Über dies spannt er stets eine inhärente Dramaturgie und verfällt nie auf die rein formularisch experimentelle Seite des Schaffens. Jenes Entgegenwirken sämtlicher Konditionierung des modernen Publikums macht ihn sicherlich zu einem gewissen Grad zum Filmemacher des Filmkritikers aber in seiner Perfektion gleichzeitig auch zu einem der 2-3 bedeutendsten und hoffentlich stilprägendsten Regisseuren der Gegenwart. 

Text: FredFuchs

Freitag, 18. Januar 2013

Django Unchained (2012, Dir: Quentin Tarantino)


Was für ein verdammter Trip. 
Tarantinos Filmuniversum ist frei von jeglichen Konventionen und existiert ohne abgesteckte Grenzen. Alles ist möglich und Tarantino macht alles möglich. "Django Unchained" ist ein 165minütiges, kurioserweise irgendwie trotzdem zu kurzes cineastisches Lehrstück und zeigt erneut, wer derzeit der unumstrittene Meister des Dialogkinos ist. "Django Unchained" ist Buddymovie, Roadmovie, Western, Exploitation, Trash, Komödie, Drama und Lovestory in einem. Von keiner Zutat zu viel, von keiner zu wenig. Niemand sonst verleiht dem Wort "Stilsicherheit" so viel Bedeutung wie Quentin Tarantino, und das seit mittlerweile 20 Jahren. Tollkühn remixed er auch diesmal altes, klassisches, abseitiges, zeigt uns seine Version eines seiner Lieblingsgenres und besitzt sogar die Frechheit, uns einen derart anachronistischen Soundtrack um die Ohren zu ballern, der seine Wirkung eigentlich nur verfehlen kann. Tut er aber nicht. Ein weiteres Mal ist das Zusammenspiel von Bild und Ton großartig, visionär und in dieser Form absolut einzigartig. 
Warum der UNFASSBAR perfekt on point spielende Christoph Waltz nur in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" nominiert ist, weiß wohl nur die Academy. Auch das restliche Ensemble leistet durch die Bank glanzvolles, Jamie Foxx steht die Heldenrolle ausgesprochen gut und die finsteren Leo diCaprio und Samuel L. Jackson funktionieren wunderbar als gegen den Strich besetzte Antagonisten. 
Ein atemberaubendes Epos und zweifelsohne sein stärkstes Stück Filmgeschichte seit "Pulp Fiction", was einiges heißen will. Die 10 Punkte sind nur eine Frage der Zeit. 
"Django. The D is silent." 

Text: Le Samourai
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Die gegenwärtige, große Inszenierung moderner "B-Produktionen" liegt in der heutigen Filmlandschaft nahezu ausschließlich in Tarantinos Händen. Dieser Popkultur definierende Status verleitet dazu den Regisseur ausschließlich an sich selbst zu messen und innerhalb dieses gesteckten Mikrokosmos markiert "Django Unchained" eine äußerst wohltuende Rückkehr zur 90er Höchstform. 
Der Modus Operandi bleibt dabei unverändert; ein Mosaik aus inhaltlichen und stilistischen Versatzstücken, vom spärlich referenzierten, namensgebenden Vorgänger über Addio Zio Tom, Mandingo, Keoma und deren gesamter Peripherie. Vorgetragen von der A-Liste Hollywoods, mit Sam Jackson als Onkel Tom am oberen sowie Quentin selbst am unteren Ende des durchgängig erstklassigen Leistungsspektrums (unterlegt von einem wunderbar anachronistischen Soundtrack, der Ortolani und Rick Ross vereint). 
Nie geht es um das reine Zitieren, sondern um die gekonnte Vermengung einer, in ihrer Gesamtheit unüberblickbaren Vielzahl von Einflüssen. Stets enger an Corbucci als an Leone und Peckinpah wird tiefergehende Reflektion zugunsten des fantastischen Gesamtbildes der stilsicheren, zeitgemäßen Exploitation geopfert. 

Text: FredFuchs

Fish Tank (2009, Dir: Andrea Arnold)


Also DAS kam ja mal unerwartet. 
FISH TANK behandelt ein schwieriges Thema, mit dem man eigentlich nur scheitern kann. Regisseurin Andrea Arnold macht allerdings so gut wie alles richtig. Ihre Milieustudie einer Prekariatsfamilie aus Essex ist vollkommen unprätentiös, authentisch, roh und maximal wirkungsvoll. Die im 4:3-Format aufgenommen, durchweg perfekt stimmigen Bilder lassen den Zuschauer unmittelbar teilhaben am abgefuckten Geschehen, beschönigen nichts, zeigen, was Sache ist. 
Michael Fassbender ist standesgemäß überragend, aber Herz und Seele des Filmes ist eindeutig die von der Straße gecastete, damals 18jährige Katie Jarvis. Ohne dieses zu einhundert Prozent authentische Mädchen wäre der komplette Film gescheitert und unglaubhaft geworden. Ihre Performance fesselt von der ersten bis zur allerletzten Sekunde und zählt für mich zu den eindrucksvollsten der letzten Jahre. 
"Life's a bitch and then you die."

Text: Le Samourai

Everything or Nothing: The Untold Story of 007 (2012, Dir: Stevan Riley)


Endlich. DIE definitive Dokumentation über die schönste Filmreihe überhaupt. 
Regisseur Stevan Riley holt weit aus und erzählt die komplette Geschichte, von Ian Flemings Vorgeschichte im Militär bis hin zum jüngsten Kapitel dieser beispiellosen Erfolgsgeschichte: Daniel Craig und "Skyfall". Chronologisch werden wichtige Ereignisse und wegweisende Entscheidungen aufarbeitet, wie z.B. der folgenschwere Beginn der Liaison Broccoli & Saltzman, der Bruch mit Connery, das Aus von Saltzman, die Querellen um "Thunderball" mit Erzfeind Kevin McClory, die Probleme Lazenbys oder der konstant vorhandene Druck, mit jedem neuen Kapitel das Bonduniversum neu zu erfinden und mit dem Geist der Zeit zu gehen. 
Neben tollen Archivaufnahmen und thematisch geschickt montierten Filmszenen aus 50 Jahren Bond-Geschichte kommen u.a. Barbara Broccoli, Ken Adam, Roger Moore, George Lazenby, Timothy Dalton, Pierce Brosnan, Bill Clinton, Judi Dench, Lewis Gilbert, Christopher Lee und Michael G. Wilson zu Wort, die interessante und neue Einblicke ins Bonduniversum gewähren. Lediglich die Abstinenz von Connery ist ein kleiner Wermutstropfen. 
98 spannende, wirklich informative Minuten und für jeden Fan der Reihe meiner Meinung nach absolutes Pflichtprogramm.

Text: Le Samourai

Bones Brigade: An Autobiography (2012, Dir: Stacy Peralta)


Absolut sensationelle, packende und vor allem inspirierende Dokumentation über die Gründung und Geschichte des besten und einflussreichsten Skateboard-Teams aller Zeiten: Der Bones Brigade von Stacy Peralta, zu der u.a. Legenden wie Tony Hawk, Rodney Mullen, Steve Caballero und Tommy Guerrero gehörten. Erstaunlicherweise zeigt sich Peralta selbst für die Regie und Produktion verantwortlich, aber was vorschnell nach einseitiger Selbstbeweihräucherung klingt, entpuppt sich als unfassbar ehrliche, mitreißende, selbstreflektierende, authentische, einfühlsame, emotionale und intime Rekapitulation dieser beispiellosen Ära, deren Beginn mit der Gründung der Bones Brigade 1976 durch Stacy Peralta eingeläutet wurde. 
Zu Wort kommen neben den oben genannten etliche weitere Mitglieder der Bones Brigade sowie Szenekenner wie Shepard Fairey oder Fred Durst, welche durch erstaunlich persönliche Kommentare und Anekdoten ein emotional packendes und ungeheuer interessantes Bild der Ursprünge und Entwicklungen der Skateboard-Kultur vermitteln. Die Montage von Interviewmaterial und unzähligem faszinierenden Archivmaterial aus den 70ern, 80ern und 90ern funktioniert absolut perfekt und sorgt für eine beispiellose Dokumentarfilm-Dramaturgie. 
Unbedingte Empfehlung!

Text: Le Samourai

La nuit américaine (1973, Dir: Francois Truffaut)


Der große Francois Truffaut feiert mit "La nuit américaine" nicht nur seine grenzenlose Liebe zum Kino, sondern auch zum Leben und der Liebe selbst. Mal melancholisch, mal chaotisch, aber immer charmant und mit viel Liebe zum Detail atmet Truffauts "8 1/2" unmissverständlich durch und durch Nouvelle Vague Luft. Ein virtuoses, hinreißendes Filmvergnügen, welches uns an die Magie des Kinos, aber auch den zumeist zermürbenden Entstehungsprozess erinnert. Wunderbar! 
Text: Le Samourai

The Master (2012, Dir: Paul Thomas Anderson)


Intensiv, anstrengend, mit herausragenden 65mm-Bildkompositionen, aber nicht frei von kleinen Längen. 
Joaquin Phoenix zeigt die beste Leistung seiner Karriere und Philip Seymour Hoffmans beängstigend gute Performance macht ihn für mich persönlich endgültig zu DEM faszinierendsten und vielseitigsten Schauspieler unserer Zeit. 
Ein beeindruckendes Werk, welches mich dennoch nicht zu einhundert Prozent erreicht hat, sodass THERE WILL BE BLOOD nach wie vor P.T.A.'s Opus Magnum bleibt.

Text: Le Samourai

Oh Boy (2012, Dir: Jan Ole Gerster)


Jan-Ole, you are the Man! Endlich mal ein dffb-Absolvent, der nicht der Berliner Schule verfallen ist, sondern losgelöst davon einen herrlich befreiten, authentischen, rohen, melancholischen, unaufgeregten, lakonischen, stellenweise äußerst witzigen und einfach wunderschönen deutschen Film gedreht hat. Genau nach meinem Geschmack. 
Der schönste Berlin-Film seit Wenders' Filmpoesie "Der Himmel über Berlin" und für mich persönlich der beste deutsche Film seit... Dekaden. Und der Soundtrack ist Oberspitzenklasse.

Text: Le Samourai
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"Oh Boy" erfindet das Rad nicht neu: Lakonische Schwarz-Weiß-Bilder, Jazz, die Atmosphäre rauchiger Bars und ein ziellos umherstreunender, von der Umwelt gebeutelter Loner. Natürlich kommt einem die Nouvelle Vague in den Sinn und natürlich wird mancher das zum Anlass nehmen, den Film als uninspiriertes Plagiat abzukanzeln. Aber das wäre genauso unsinnig wie falsch. Auch Truffaut, Godard und Co haben dieses ganz bestimmte Lebensgefühl nicht erfunden. Sie haben es erkannt, gespürt, gelebt und auf einzigartige Weise verarbeitet. 
Das tut auch Jan Ole Gerster, und auch wenn er an die großen Vorbilder nicht heranreicht, nicht heranreichen kann, macht er seine Sache verdammt gut. Gott sei Dank ist "Oh Boy" von so schlichter Schönheit! Gott sei Dank versucht er nicht, allzu verkrampft ein neues deutsches Arthouse-Kino zu etablieren, wie es im Rahmen der - ich zitiere aus dem Film - "Berliner Sonderschule" so oft scheitert. Der Film besinnt sich auf seine Stärken, ist authentisch, witzig und lässt uns offen genug am Innenleben seiner Figuren teilhaben. Dann funktionieren eben auch vereinzelte Momente à la "Protagonist sitzt nachdenklich mit Kippe am Fenster": Als stimmungsvolle Zutat einer lebensnahen Geschichte, nicht als 90-minütiger Stillstand, der keinen Menschen wirklich erreicht und nur durch seine verkopfte Auseinandersetzung zum Pseudo-Arthouse mutiert. 
"Oh Boy" besticht durch eine tolle Kamera, die Berlin-spezifische Bilder einfängt, die gleichzeitig nicht zu abgedroschen sind und auch aus fast jeder anderen Großstadt stammen könnten. Die Leistungen der Darsteller sind großenteils richtig stark, allen voran natürlich Tom Schilling. Da verzeiht man auch die Tatsache, dass so manche Nebenfigur nicht die ganz große Tiefe besitzt - sie sind Personen in Nikos Leben, die er streift, zu denen er mal mehr und mal weniger intensive Beziehungen pflegt, die er wieder verlässt und weiterzieht. Ohne Berlin-Klischees kann der Film natürlich nicht auskommen. Aber sind sündhaft teurer Bio-Kaffee, pöbelnde Atzen, deutsche Nazifilm-Produktionen zum Fremdschämen und Kunst-Performances auf den Bühnen abbruchreifer Häuser wirklich Klischees? Wenn, dann zumindest nicht im negativen Sinn. Sie sind nunmal Berlin, und zwar jeden Tag aufs Neue. 
"Oh Boy" ist einfach ein stimmiger Film, der treffend einen Zeitgeist einfängt, welcher sich eben nicht nur mit dem Schlagwort "Berlin 2012" definieren lässt. Das Lebensgefühl, das er vermittelt, ist zeitlos und universell, im Leben wie im Kino. Dazu bedarf es keines konkreten Ziels des Helden, keiner Happy Ends und keiner Karthasis. Es bedarf "nur" der präzisen Beobachtung des Lebens vieler unterschiedlicher Menschen in künstlerisch ansprechender Form. Das ist ja dann auch Arthouse. Einfaches, gutes Arthouse.

Text: Gordon Cole

The Moon is Blue (1953, Dir: Otto Preminger)


Selbst in einem so unschuldigen Genre wie der Romantic Comedy schaffte es Preminger, durch seine unangepasste, offene und tabubrechende Art für einen zur damaligen Zeit relativ gewagten Beitrag zu sorgen, der aufgrund einiger sexuell aufgeladener Dialoge in mehreren US-Bundesstaaten zu Beginn indiziert war. 
Es ist eine wahre Freude, die großartig aufgelegten William Holden, David Niven und Maggie McNamara bei ihrem 90minütigen Dialogfeuerwerk zu bewundern. Selten wurde ein Film derart pausenlos zugequatscht, jedoch sind die Unterhaltungen zwischen dem junggeselligen Architekten Holden, der naiv-süßen McNamara und dem Lebemann und Charmeur Niven durchweg höchst unterhaltsam und mit der ein oder anderen erstaunlichen Lebensweisheit versehen. 
Dass Otto Preminger auch wunderbare Komödien inszenieren konnte, hat er mit "The Moon is Blue" eindrucksvoll bewiesen.

Text: Le Samourai