Dienstag, 17. Januar 2012
Ball Of Fire (1941, Dir: Howard Hawks)
Howard Hawks' "Ball of Fire" (deutscher Titel [Achtung, kein Witz]: "Die merkwürdige Zähmung der Gangsterbraut Sugarpuss") ist das, was man als klassische Screwball-Komödie bezeichnen kann. Eine Gruppe von acht kauzigen Wissenschaftlern, darunter der Literaturprofessor Bertram Potts (Gary Cooper), wohnen gemeinsam in einer Villa und arbeiten an der ultimativen Enzyklopädie, die alles Wissen der Menschheit vereinen soll. Beim Versuch, in Sachen Slang und Straßenjargon einiges aufzuarbeiten, trifft Potts auf die Barsängerin und Gangstergeliebte Sugarpuss O'Shea (Barbara Stanwyck). Diese muss vor der Polizei flüchten und zieht kurzerhand in die Villa der Gelehrten. Potts und O'Shea verlieben sich (oder auch nicht), die Gangster treten auf den Plan, das Chaos nimmt seinen Lauf usw... mit einem Wort: Screwball.
Der Film ist wie viele dieser Art eigentlich eher oberflächlich, im dramatischen Sinne von "die Figuren machen keine sichtbare tiefgreifende Entwicklung durch". Er funktioniert aber trotzdem hervorragend und fesselt durch die klug gebaute Handlung, die locker-leicht voran schreitet und einen blendend unterhält. Die Gags zünden, die Figuren sind sympathisch, sogar die standesgemäße Romantik ist auf den Punkt. Man merkt, dass die Filmemacher die Welt und die Figuren, die sie kreieren, wirklich lieben und ernst nehmen. Seien es die Gelehrten, die mal "raus ins Leben" müssen oder die Lebeleute, die ihre Vorurteile oder sogar Gefühle überdenken. Vielleicht ist der gezeigte Klamauk auch deshalb einfach witzig und eben nicht - wie in einem Großteil der zeitgenössischen Romantic Comedy - eher peinlich und dumm.
Text: Gordon Cole
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Gone in 60 Seconds (1974, Dir: H.B. Halicki)
Eines der fantastischsten Independent-Unterfangen aller Zeiten. Halicki übernimmt Regie, Produktion, Vertrieb, Hauptrolle und Stuntszenen.
Minimaler Plot, unterdurchschnittliches Schauspiel, charmant mieses Dubbing, aber gefühlte 100 Totalschäden (und um ihr Leben rennende Statisten) in einer unerreicht brillanten Verfolgungsjagd - die wundervollste Budget-Allokation aller Zeiten. Das purste aller Carsploitation Features!
Text: FredFuchs
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Donnerstag, 12. Januar 2012
Angst essen Seele auf (1974, Dir: Rainer Werner Fassbinder)
Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte der älteren Dame Emmi (Brigitte Mira) und dem deutlich jüngeren Marokkaner Ali (El Hedi ben Salem).
Inspiriert von Douglas Sirks "All That Heaven Allows" verlegt Fassbinder die Geschichte ins Deutschland der 1970er Jahre, in dem es Unterschiede in Alter und besonders Nationalität der Liebenden sind, die bei der Umwelt auf Intoleranz und Zynismus stoßen.
Nach dem großen Vorbild von Sirks Melodramen kommt der Bildsprache auch bei "Angst essen Seele auf" eine entscheidende Bedeutung zu. Ist die Mise-en-Scène bei Sirk jedoch bis ins Detail komponierter Ausdruck überbordender Leidenschaften, bestechen die Bilder von Kameramann Jürgen Jürges durch Reduktion. Die asketische Kamera bleibt dezent im Hintergrund und lenkt den Fokus somit stets auf die Geschichte dieses ungleichen Paares, das seine Liebe inmitten der Engstirnigkeit seiner Mitmenschen zu bewahren versucht.
Fassbinder beobachtet das zwischen(un)menschliche Verhalten der Spießer treffend und überzogen, fast schon satirisch. Daraus entsteht eine teils absurd wirkende Präzision der Dialoge. Alis Aussprache, aus der auch der zentrale Satz und Titel des Films hervorgeht, wirkt aus heutiger Sicht wie die sprachhistorische Parodie von gebrochenem Ausländerdeutsch. All das ist natürlich mehr als komischer Selbstzweck, erwächst aus dieser Sprachgestaltung doch eine figurenbezogene Einfachheit: im Falle der Mitmenschen einfach dumm; im Falle Alis einfach ehrlich.
Was den Film herausragend macht, ist, dass er nicht nur als böse und entlarvende Gesellschaftssatire funktioniert, sondern als Liebesdrama ebenso bewegt. In ihrer Aufrichtigkeit zueinander und ihrer rührenden Allianz gegen den Rest der Welt fungieren Emmi und Ali als strahlendes Exemplar für den Glauben an die Liebe und den Mut, sich über Konventionen hinweg zu setzen.
So ergeben kleine Gesten in zurückhaltenden Bildkompositionen am Ende einen großen Film. Mit seinem ungewöhnlichen Inszenierungsstil, seiner ästhetischen Schlichtheit und emotionalen Direktheit gehört "Angst essen Seele auf" zum Stärksten, was das Deutsche Kino in den 70er Jahren und bis heute hervorgebracht hat.
Text: Gordon Cole
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ANGST ESSEN SEELE AUF - der wohl tollste Titel der deutschen Filmgeschichte. Der tollste Film allerdings bei Weitem nicht.
Fassbinders Absichten sind sicherlich nachvollziehbar und respektabel; die stimmige, trostlose Inszenierung mag sogar über weiteste Strecken zu überzeugen und rettet den Film vor der Bedeutungslosigkeit, täuscht aber nicht über sein größtes Problem hinweg: das Drehbuch. Zum Abwinken klischeebeladen, weltfremd und schlicht hölzern. Jeder einzelne Charakter ist übertrieben, zu eindeutig, nicht ambivalent genug. Der Großteil der Dialoge ist unfassbar hölzern und von einem relativ talentfreien Ensemble (mit Ausnahme von Brigitte Mira) unüberzeugend vorgetragen, sodass ich leider des Öfteren das Gefühl hatte, in einem Laientheater einer deutschen Kleinstadt zu sitzen. Höhepunkt dessen ist die Zusammenkunft im Wohnzimmer mit den beiden Söhnen und der Tochter ("Jetzt musst du vergessen, dass du Kinder hast! ich will mit einer Hure nichts mehr zu tun haben!"). Total daneben.
Das Prädikat "sehenswert" hat der Film alleine der stilsicheren Inszenierung Fassbinders zu verdanken, dessen beobachtende, ruhige Kamera mir sicherlich am stärksten in Erinnerung bleiben wird.
Text: Le Samourai
Montag, 9. Januar 2012
Le Fantôme de la liberté (1974, Dir: Luis Bunuel)
Luis im Wunderland. Der größte Surrealist der Filmgeschichte zieht in seinem vorletzten Werk noch einmal alle Register seines Könnens, wirft sämtliche filmischen und erzählerischen Konventionen über Bord und serviert uns einen absurden Stream of Consciousness, der einmal mehr auf einzigartige, höchst groteske Weise die gesellschaftlichen Konventionen entlarvt und die (scheinbare) Freiheit der Bourgeoisie in Frage stellt. Höchst unterhaltsam!
Text: Le Samourai
Sonntag, 8. Januar 2012
Brief Encounter (1945, Dir: David Lean)
Ein herzzerreißend schöner, zugleich tieftrauriger Liebesfilm und mit Sicherheit einer der besten seines Genres. Lange vor seiner imposanten "Epos-Phase" drehte David Lean dieses formvollendete Drama über eine verbotene, zum Scheitern verurteilte Liebe voller Sehnsucht und Traurigkeit. Eindringliche Close Ups von Augen, Gesichtern, Regungen kombiniert er mit Motiven des Film Noir, die besonders in den kontrastreichen, von harten Schatten und Nebel geprägten Bahnhofsszenen deutlich werden. Das Spiel der beiden Protagonisten (Celia Johnson und Trevor Howard) ist hervorragend, besonders Johnsons' tieftraurige Augen sind faszinierend und besitzen eine zeitlose Magie. Leans Entscheidung, die Geschichte in einer Rückblende aus Lauras Sicht zu erzählen, ist grandios. Wenn man sich gegen Ende des Filmes wieder in der Ausgangssituation befindet, sieht man die Szene mit komplett anderen Augen und ist auf einmal voller Mitgefühl für die beiden Leidenden.
BRIEF ENCOUNTER ist ein zeitloses Meisterwerk.
Text: Le Samourai
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Dienstag, 3. Januar 2012
Una sull'altra (1969, Dir: Lucio Fulci)
Was für ein Film! Ich dachte eigentlich, mit "Sette Note in Nero" sowas wie den Höhepunkt von Fulcis Schaffen bereits gesehen zu haben, aber was der Meister hier acht Jahre vor seinem Opus Magnum abgeliefert hat, steht diesem in nichts nach. Hier offenbart sich eine komplett andere Seite des famosen Italieners, der ja ansonsten eher für blutrünstige Slasher und vor allem seinen Zombie-Gore-Trash berühmt und berüchtigt ist.
"Una sull'altra" ist Vieles. Handwerklich und inszenatorisch wirklich hervorragend. Blutarm, dafür spannend, intelligent, kraftvoll. Viel nackte Haut inklusive Striptease-Einlage auf einer goldenen Harley. Pre-Giallo (subtiler Thrill statt Handschuh-Rasiermesser-Morde, aber das Subgenre war ja 1969 auch gerade erst am Entstehen). Whodunnit. Die Exploitation-Variante von Hitchcocks "Vertigo", da es ebenfalls um Doppelgänger-Obsession geht und das Ganze sogar in San Francisco spielt. Jedoch erschafft Fulci seine eigene magische Stadt, ohne Hitchcocks Drehorte und Stimmung zu kopieren. Zu guter Letzt Riz Ortolanis wunderbarer, pulsierender Jazz-Soundtrack, der "Una sull'altra" zu einem absolut stimmigen frühen Giallo und generell zu einem tollen 60s-Thriller macht, der leider viel zu sehr in Vergessenheit geraten ist.
Text: Le Samourai
Sette note in nero (1977, Dir: Lucio Fulci)
Fulcis ungewohnt blut- und hautarmer Thriller SETTE NOTE IN NERO ist ein herausragender Giallo-Beitrag und von den fünf Filmen, die ich bisher von ihm gesehen habe, sein bester.
Gemächlich beginnend steigert sich die Spannung der ohne Durchhänger erzählten Krimigeschichte kontinuierlich bis ins unermessliche, da der Zuschauer eigentlich nie mehr weiß als die von Visionen geplagte Protagonistin und man - je mehr Details der intelligenten Story aufgedeckt werden - mehr und mehr in den Bann derselbigen gezogen wird.
Der Soundtrack ist fantastisch und die titelgebenden "sieben Noten" des italienischen Komponisten Vince Tempera - von Tarantino und Rapper RZA in KILL BILL recycelt - brennen sich unauslöschlich ins Gedächtnis ein.
Text: Le Samourai
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Showgirls (1995, Dir: Paul Verhoeven)
Sträflich unterbewertet und äußerst missverstanden - irgendwie unverständlich. SHOWGIRLS ist niemals SO schlecht, wie er meist gemacht wird. Verhoevens Blick aufs Showgeschäft, Amerika und den Kapitalismus ist ehrlich, direkt und in sich wunderbar funktionierend. Für mich stellt SHOWGIRLS die Schmuddelvariante von Mankiewicz' unsterblichen Meisterwerk ALL ABOUT EVE dar; statt großem Schauspiel gibt's viel Haut, statt großer Inszenierung gibt's Glamour-Trash vom feinsten; aber Grundstoff und -aussage bleiben die selbe.
Und Dale Cooper ist halt immer ein Genuss!
Text: Le Samourai
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The Day of the Jackal (1973, Dir: Fred Zinnemann)
Konstant hochspannendes Duell zweier (nahezu) perfekt arbeitender Spezialisten. Killer und Cop. Klinisch brillant gespielt. Klinisch präzise, wertfrei inszeniert. Einer der ganz ganz großen Politthriller, der auch dank seines toll eingefangenen 60er-Charmes 40 Jahre später immer noch Freude macht.
Text: Le Samourai
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The Ides of March (2011, Dir: George Clooney)
"There is only one thing in this world I value which is loyalty. Without it, you're nothing."
Clooneys vierte Regiearbeit ist brillant. Seine beste bis dato. Einmal mehr absolut stilsicher und souverän inszeniert er einen wunderbar geschriebenen, intelligent-zynischen Politthriller um Loyalität, Macht und Integrität. Das unfassbare Quartett Clooney, Giamatti, Hoffman und allen voran Gosling spielt grandios, dazu gesellen sich die gut aufgelegten Damen Evan Rachel Wood und Marisa Tomei. Der kleine aber feine Auftritt von "24"-Veteran Gregory Itzin komplettiert das wohl beste Schauspielensemble des Jahres.
Erwachsenenunterhaltung auf hohem Niveau, ein Film der die Kritikerwelt - absolut zu Recht - sicherlich begeistern wird und ganz klar eines der Kinohighlights 2011.
Text: Le Samourai
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Indagine su un cittadino al di sopra di ogni sospetto (1970, Dir: Elio Petri)
"Indagine su un cittadino al di sopra di ogni sospetto" - Hinter diesem tollen Titel (dt.: "Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger") verbirgt sich ein für meine Begriffe viel zu unbekannter italienischer Thriller aus den Siebzigern, schwarzhumorig, satirisch, grotesk. Regisseur Elio Petri erzählt uns in trockenen Bildern die fast unerträgliche Geschichte eines römischen Polizeichefs, der seiner Geliebten die Kehle durchschneidet nur um zu sehen, ob die Polizei dahinter kommt und ihn für sein Verbrechen bestraft. Trotz zahllosen von ihm hinterlassenen Hinweisen, Indizien und sogar Geständnissen wird nacheinander jeder andere aus dem Bekanntenkreis des Opfers verdächtigt, nur - trotz aller Bemühungen - nicht er selbst...
Brillant inszeniert und fantastisch gespielt hinterlässt die spannende Satire über Machtmissbrauch und Korruption einen bleibenden, beklemmenden Eindruck. Einmal mehr trägt der große Meister Ennio Morricone einen entscheidenden Teil zur Wirkung des Filmes bei - sein Soundtrack ist absolut großartig.
Wohl einer der zynischsten Filme aller Zeiten, nach wie vor aktuell, klare Empfehlung!
Text: Le Samourai
SUPER (2010, Dir: James Gunn)
Absurde Indie-Groteske, gewalttätig, anarchisch, auf Konventionen scheißend.
Der ewige Vergleich mit "Kick-Ass" ist müßig und auch nicht wirklich angebracht, da die beiden Filme abgesehen von ihrer "Superhelden-aufs-Korn-nehmen"-Thematik überhaupt nichts gemeinsam haben. "Kick-Ass" ist zwar auch gegen den gängigen Strich gebürstet und tabubrechend, aber letztendlich doch ein relativ harmloser Hollywood-Crowdpleaser, der es dem Zuschauer einfach macht, ihn zu mögen. "Super" ist bizarr, teilweise abartig brutal, moralisch fragwürdig, die Kamera wackelt, der Trashfaktor ist hoch. Viele Fans wird er nicht finden und ich denke auch nicht, dass er ein großer Box Office Erfolg war.
Mir persönlich gefällt er jedoch besser als "Kick-Ass", da die Darstellerriege viel mehr Qualität besitzt (Ellen Page ist grandios, "Serial Killer Henry"-Darsteller Michael Rooker ist mal wieder am Start, Kevin Bacon als großartiger Bösewicht, ...), die von ihnen verkörperten Charaktere interessanter sind (stärkerer Hauptdarsteller/ Superheld), mir die anarchische-special interest-Inszenierung sehr viel mehr zusagt und der Film - im Gegensatz zu "Kick-Ass" - zum Nachdenken anregt und einen tiefgründigeren, ernsteren Grundtenor besitzt.
Wenn man unbedingt einen Vergleich ziehen will: "Super" ist die Erwachsenen-Version von "Kick-Ass", abgründiger, konsequenter, provokanter, brutaler, witziger.
Text: Le Samourai
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Samstag, 3. Dezember 2011
The Artist (2011, Dir: Michel Hazanavicius)
Nachdem TYRANNOSAUR und DRIVE mein Kinojahr bereits binnen zwei Wochen retteten, hätte ich nicht gedacht, dass der Höhepunkt noch folgen sollte.
THE ARTIST von Michel Hazanavicius ist ein Stummfilm der Neuzeit. Schwarz-weiß, ohne gesprochenen Dialog und im Format 4:3 erzählt er die Geschichte des Stummfilmstars George Valentin, der sich ausgerechnet in die Frau verliebt, die als neuer Stern am Tonfilmhimmel eine Gefahr für seine eigene Karriere darstellt.
Jean Dujardin, der sein Talent bereits in "99 Francs" unter Beweis stellte, liefert dabei eine grandiose Vorstellung ab und schöpft die dankbaren Begebenheiten des Spiels ohne Dialog voll aus. Auch der restliche Cast ist nicht zu vernachlässigen, sei es die zauberhafte Bérénice Bejo, der väterliche James Cromwell oder der sowieso stets coole John Goodman als harter Produzent mit Herz. In diesem Film hat sogar der Hund mehr Talent als die meisten Shia LaBeoufs.
Jean Dujardin, der sein Talent bereits in "99 Francs" unter Beweis stellte, liefert dabei eine grandiose Vorstellung ab und schöpft die dankbaren Begebenheiten des Spiels ohne Dialog voll aus. Auch der restliche Cast ist nicht zu vernachlässigen, sei es die zauberhafte Bérénice Bejo, der väterliche James Cromwell oder der sowieso stets coole John Goodman als harter Produzent mit Herz. In diesem Film hat sogar der Hund mehr Talent als die meisten Shia LaBeoufs.
THE ARTIST ist mit moderner Technik gedreht und verpasst dem Medium Stummfilm eine wohltuende Frischzellenkur, die die technischen Unzulänglichkeiten der damaligen Zeit vergessen lässt. Kamera, Schnitt und Sound sind feinstes Handwerk. Das ironische Spiel mit der Tonebene - besonders in der Szene, in der der Tonfilm für den Protagonisten erstmals zur "Gefahr" wird - ist einfach großartig. Natürlich könnte man einwenden, dass der originäre Charme alter Stummfilme fehlt, da die Optik von THE ARTIST zu clean und perfekt ist. Das Gegenteil jedoch ist der Fall, denn der Film schafft es zu jeden Zeitpunkt, ebendiesen Charme zu konservieren und die universell verständlichen, zeitlosen Elemente des Stummfilms in die heutige Zeit zu transportieren.
Mal wieder ist man erstaunt und auch froh, dass das populäre Kino im Jahre 2011 in regelmäßigen Abständen innovative und kreative Früchte hervorbringt, in diesem Fall sogar durch die Rückbesinnung auf längst Vergangenes. Und mal wieder fragt man sich, warum vorher noch niemand auf diese genial einfache und einfach geniale Idee gekommen ist! Es ist einfach beeindruckend, wie gut THE ARTIST funktioniert, obwohl - oder gerade weil? - man diese oder ähnliche Geschichten im Kino schon zig mal gesehen und lieben gelernt hat. Genau das ist aber letzen Endes auch die große Stärke des Films: das Erzählen einer Geschichte mit so vielen Mitteln wie nötig, aber so wenigen wie möglich. Der Film ist ein Stummfilm, der sich mit dem Ausklang des Stummfilms beschäftigt, er blickt also zurück und stellt gleichzeitig die Frage nach der Notwendigkeit filmtechnischer Innovationen. Trotzdem ist THE ARTIST natürlich nicht als reaktionärer Feldzug gegen alle technische Neuerungen der Filmgeschichte zu verstehen, war die Einführung des Filmtons doch zweifellos einer der wichtigsten Meilensteine, durch den ungeahnte erzählerische Perspektiven eröffnet wurden. Über aktuelle Diskussionen wie den Sinn oder Unsinn von 3D kann man angesichts einen Films wie THE ARTIST jedoch nur schmunzeln. Zu klar ist schon jetzt, dass auch die beste 3D-Technik das Kino auf inhaltlicher Ebene nicht entscheidend voranbringen kann.
Zuviel Diskussion wird diesem Film aber nicht gerecht. Dieser Film ist zum Genießen. THE ARTIST ist eine Liebeserklärung an den Stummfilm, an das Erzählen und die Zeitlosigkeit grundlegender Emotionen. Mein Fazit ist so schlicht und klar wie der Film selbst: "The Artist" ist Kino.
Text: Gordon Cole
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The Lady from Shanghai (1947, Dir: Orson Welles)
Ein weiteres Glanzstück des alten Meisters und gleichzeitig ein hervorragender, aber auch ungewöhnlicher Beitrag zur schwarzen Serie. Atmosphärisch dicht, stellenweise surreal-grotesk erzählt Welles die Hitchcock-typische Geschichte des zu Unrecht Verdächtigten, der sich nur selbst aus seiner Misere befreien kann. Welles spielt ein weiteres Mal großartig und auch Rita Hayworth überzeugt als undurchsichtige "Femme fatale" vollkommen. Die Story braucht zwar etwas Zeit um in Fahrt zu kommen, aber speziell die letzte Hälfte ist spannendes Film Noir Kino at its very best, welches im stilistisch einzigartigen, expressionistisch angehauchten Finale im Spiegelkabinett gipfelt.
Orson Welles zeigt, wie man aus einem Groschenroman ein filmisches Denkmal für die Ewigkeit schafft. Einzigartig.
Text: Le Samourai
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Mittwoch, 30. November 2011
In a Lonely Place (1950, Dir: Nicholas Ray)
IN A LONELY PLACE ist ein absoluter Meilenstein des melancholischen Film Noir, ein zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratener Vertreter dieses fantastischen Genres.
Humphrey Bogart ist umwerfend und verkörpert den zynischen, selbstzerstörerischen Drehbuchautor mit einer selten gesehenen Intensität und Perfektion. Doch auch der übrige Cast kann das hohe schauspielerische Niveau halten, allen voran die geheimnisvoll-verletzliche Gloria Grahame als Alibi-Verschafferin und dem geheimnisvollen Bogey-Charme erlegene Loverin. Rays' Inszenierung ist dicht, on point und absolut spannungsvoll, das Drehbuch mitsamt seinen eloquent-zynischen Dialogen ein absoluter Genuss, vor allem das so gar nicht hollywood-typische Ende haut einen vom Hocker.
IN A LONELY PLACE ist ein Meisterwerk und für mich deutlich besser/ wichtiger als Rays' kommerziell erfolgreicheres Werk REBEL WITHOUT A CAUSE.
Text: Le Samourai
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Fish Tank (2009, Dir: Andrea Arnold)
Die 15-jährige Mia (Katie Jarvis) ist ein Problemfall wie er im Buche steht. Gerade von der Schule geflogen, streift sie meist ziellos und alleine durch die Sozialbauten ihrer Heimatstadt Essex. Liegt sie nicht gerade mit Freunden oder ihrer Mutter im Klinch ertränkt sie ihre Probleme mit Alkohol. Einziger Lichtblick ihres tristen Alltags scheinen Musik und Breakdance zu sein, in denen sie meist alleine Zuflucht sucht. Als ihre Mutter eines Tages einen neuen Freund, den gut aussehenden Connor, anschleppt, nimmt die Geschichte von FISH TANK ihren Lauf.
Schon bei der ersten Begegnung der Beiden ist die gegenseitige sexuelle Begierde greifbar und gipfelt bereits nach wenigen Tagen in unromantischem Geschlechtsverkehr auf der Wohnzimmercouch, während Mia's Mutter zu gedröhnt im Zimmer neben dran schläft. Connor verspricht am nächsten Morgen mit ihr darüber zu reden; Mia macht sich offensichtlich Hoffnungen auf eine Beziehung mit dem über 30-Jährigen. Als Connor jedoch am nächsten Tag spurlos verschwunden ist, macht Mia seine Adresse ausfindig und bricht wutentbrannt in sein Haus ein. Dort muss sie feststellen, dass Conor ein geregeltes gut bürgerliches Leben mit Frau und KInd führt. Aus Rache und Neid heraus, entschließt Mia sich in einer Kurzschlussreaktion Connors kleine Tochter zu entführen, doch kommt nach dem dramatischen Höhepunkt, bei dem das kleine Kind fast ertrinkt, zurück zur Vernunft und bringt das Mädchen noch am gleichen Tag wohlbehalten nach Hause. Verletzt, gekränkt und ohne Perspektive verlässt Mia am Ende des Films ihre Familie um mit einem Freund in Wales zu leben...
FISH TANK ist ein besonderer Film. Mit den geringsten Mitteln zeichnet Regisseurin Andrea Arnold in ihrem Debutfilm ein erschreckend authentisches Abbild der englischen Unterschicht. Tristesse, Langeweile und tiefer Frust sind ständige Begleiter aller Akteure. Trotz ihres sozial nicht tragbaren Verhaltens schafft es Arnold aus Mitleid resultierende Sympathie für Mia im Zuschauer auszulösen. Darstellerin Katie Jarvis wurde von der Straße weg gecastet (sie wurde entdeckt, als sie am Bahnhof von Essex lauthals schreiend mit einem Freund stritt) und liefert trotz keinerlei Schauspiel-Erfahrung eine durchweg überzeugende Leistung ab.
FISH TANK ist ein kleiner Film, der aber vor allem durch Hauptdarstellerin, Drehbuch und die teilweise wunderschöne Fotografie zu überzeugen weiß und damit seine Cannes Auszeichnung (Preis der Jury) rechtfertigt.
Anfang diesen Monats wurde Arnolds Nachfolgefilm WUTHERING HEIGHTS veröffentlicht und steht auf meiner Merkliste jetzt weit oben.
FISH TANK ist ein kleiner Film, der aber vor allem durch Hauptdarstellerin, Drehbuch und die teilweise wunderschöne Fotografie zu überzeugen weiß und damit seine Cannes Auszeichnung (Preis der Jury) rechtfertigt.
Anfang diesen Monats wurde Arnolds Nachfolgefilm WUTHERING HEIGHTS veröffentlicht und steht auf meiner Merkliste jetzt weit oben.
Text: andyewest88
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Dienstag, 29. November 2011
Anatomy of a Murder (1959, Dir: Otto Preminger)
Außer Preminger kann sich nur Hitchcock damit rühmen eine derartige Leistung aus den Tiefen des großartigen Jimmy Stewart heraus gekitzelt zu haben. Das perfekte Gerichtsdrama, detailliert präzise, gespickt mit wunderbaren Kompositionen von Duke Ellington und einem Drehbuch, das man Seite für Seite vergolden sollte.
Werke wie dieses lassen noch deutlicher werden, dass das, was heute unter großem Kino verstanden wird eigentlich größtenteils B-Filme sind...
Text: FredFuchs
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"People aren't just good or just bad. People are many things."
ANATOMY OF A MURDER ist eine filmische Offenbarung. Selten passen die verschiedenen Bauteile dermaßen genial zusammen wie in Premingers bittersüßen Abrechnung mit dem amerikanischen Justizsystem. Hier stimmt einfach alles. Jimmy Stewart in einer seiner glänzendsten Rollen, seine über zweieinhalb Stunden konstant fesselnde Performance ist eine Wucht und macht ihn endgültig zu einem meiner absoluten Lieblingsschauspieler. Der übrige Cast ist ebenso genial, erwähnenswert auf jeden Fall der junge Ben "Jacky Treehorn" Gazzara als Angeklagter in einer seiner frühen Rollen. Duke Ellingtons Jazz-Score ist fantastisch, Premingers Inszenierung sowie Wendell Mayes' Drehbuch (nach dem Roman von John D. Voelker) grenzen an Perfektion. Mit hauchdünnem Vorsprung mein persönlicher Favorit der drei großen Gerichtsfilme, vor WITNESS FOR THE PROSECUTION (Billy Wilder) und 12 ANGRY MEN (Sidney Lumet).
Text: Le Samourai
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Sonntag, 27. November 2011
Ms. 45 (1981, Dir: Abel Ferrara)
Abel Ferrara, Meister des knallharten New York Low Budget Kinos, schuf mit seinem Underground-Kultklassiker "Ms. 45" eines der stilistisch eindrucksvollsten, härtesten, einfach besten Rape & Revenge Movies überhaupt. Die bildschöne Zoe Lund mimt das stumme "Good Girl Gone Bad" absolut überzeugend und krönt ihren Rachefeldzug gegen die Männlichkeit im Nonnenkostüm in einem episch-verstörenden Finale.
Text: Le Samourai
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Montag, 21. November 2011
Carnival of Souls (1962, Dir: Herk Harvey)
Sixties-Low-Budget-Horror-Mystery, dem man das begrenzte Budget natürlich ansieht, diese Tatsache aber gleichzeitig den Reiz, die Einzigartigkeit und Genialität dieses Juwels ausmacht bzw. verdeutlicht. Schaurig-schöne Orgelmusik, bleiche "Ghouls" mit furchteinflößenden Visagen und eine mystisch-surreale Geschichte führen uns zum absoluten Brainfuck-Ende, das noch mehr Fragen aufwirft, als der ohnehin schon albtraumhaft-absurde Trip dorthin.
Definitiv Inspirationsquelle für David Lynch und Co., Freunde des Mitternachtskinos sollten auf jeden Fall einen Blick auf "Carnival of Souls" werfen.
Text: Le Samourai
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Sonntag, 20. November 2011
Hunger (2008, Dir: Steve McQueen)
Michael Fassbender mimt den sich zu Tode hungernden Iren mit erschreckender Perfektion. Auf den weiteren Output (beginnend mit dem bald erscheinenden "Shame") von Steve McQueen muss ein Auge geworfen werden, sein Erstlingswerk ist ein hervorragendes Stück verfilmte Zeitgeschichte.
Text: Le Samourai
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Fantastic Mr. Fox (2009, Dir: Wes Anderson)
Gewohnt detailverliebt, liebevoll, herzlich und skurril, weiß auch das neueste Werk von Wunderkind Anderson auf ganzer Linie zu überzeugen. Statt plumper 3D-Animation setzt er auf handgemachte, unglaublich aufwendige Stop Motion-Technik und kreiert einmal mehr einen wunderbar anzusehenden Mikrokosmos aus skurrilen Figuren und Außenseitertypen, wenngleich auch dieses Mal im Tierreich. Hinzu kommen ein fantastischer Soundtrack von Alexandre Desplat und eine Sprecher-Riege, die - mit George Clooney, Meryl Streep, Jason Schwartzman, Bill Murray, Michael Gambon, Willem Dafoe, Owen Wilson - ihresgleichen sucht.
Text: Le Samourai
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Montag, 7. November 2011
Un Flic (1972, Dir: Jean-Pierre Melville)
Warm anziehen, denn was Stilikone Jean-Pierre Melville hier in seinem letzten Werk auf die Leinwand zaubert, ist eiskalt. Graublaue, triste Bilder. Vollkommen emotionslose Charaktere. Zwei genial inszenierte Überfälle und ein Finale, mit dem sich der Meister, der nur ein Jahr später verstarb, mehr als würdig verabschiedet...
Text: Le Samourai
Sonntag, 6. November 2011
Bottle Rocket (1996, Dir: Wes Anderson)
Wes Andersons mehr als gelungenes Spielfilmdebüt BOTTLE ROCKET - mit dem unfassbar sinnlosen deutschen Titel "Durchgeknallt" - ist ein lakonisch erzähltes, unaufgeregtes Roadmovie über Liebe und Freundschaft. Klingt abgedroschen, ist es aber nicht, denn schon hier sieht man deutlich Andersons Gespür für subtilen Humor mit Tiefgang und skurrile Charaktere in einem liebevoll gestalteten Mikrokosmos aus Absurdität und Lakonie.
Für Anderson-Fans Pflicht, für Freunde von unaufgeregtem Independentkino definitiv empfehlenswert, denn schon hier spürt man deutlich Andersons Ausnahmetalent, welches er nur zwei Jahre später mit seinem Meisterwerk RUSHMORE eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Text: Le Samourai
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Hush...Hush, Sweet Charlotte (1964, Dir: Robert Aldrich)
Großartig erzähltes und gespieltes Psycho-Grusel-Drama, angesiedelt im reichen Südstaatenmilieu der Sechziger. Robert Aldrichs Inszenierung ist absolut meisterhaft, auch dank hervorragender Kamera- und Lichtarbeit. Der für seine Zeit mit ziemlich krassen Schock- und sogar Splattereinlagen ausgestattete Thriller kommt in prächtigstem, hammerhart kontrastreichem und teilweise sogar expressionistisch anmutendem Schwarzweiß daher und ist nach wie vor eine cineastische Augenweide. Bette Davis als alternde, manisch-depressive Jungfer ist ein weiteres Mal großartig, ihr Zusammenspiel mit der nicht minder genialen Olivia de Havilland und dem charismatisch-zwielichtigen Joseph Cotten ein absoluter Hochgenuss.
Text: Le Samourai
Samstag, 5. November 2011
The Life Aquatic with Steve Zissou (2004, Dir: Wes Anderson)
Was soll man dazu noch groß sagen? Ausnahme-Filmemacher Wes Anderson trommelt erneut einen aberwitzigen Cast zusammen (Owen Wilson, Cate Blanchett, Anjelica Huston, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Michael Gambon und Seu Jorge), den er unter der Leitung vom grandiosen Bill Murray auf die wahnwitzigste, außergewöhnlichste und skurrilste Meeresexpedition schickt, die das Kino jemals gesehen hat.
Eine unendlich kreative und liebevolle Hommage an den legendären Meeresforscher Jacques Cousteau, gespickt mit aberwitzigen Meeresbewohnern, schießwütigen Piraten, "live" von Seu Jorge auf portugiesisch performten David Bowie-Songs und einem Grand Finale auf dem Meeresgrund, wo die versammelte Mannschaft im Yellow Submarine zu Sigur Ros (Staralfur) dem gewaltigen Jaguar-Hai direkt in die Augen blickt. Die Magie dieser Szene haut einen um.
Sicherlich kein Film für Jedermann, aber irgendwie ist das ja auch gut so...
Text: Le Samourai
Rushmore (1998, Dir: Wes Anderson)
Wes Andersons zweites Werk in Spielfilmlänge ist ein absolut besonderer Film, ein feinfühliges Meisterwerk, unvergleichlich in Machart und Wirkung. Zwischen Highschool-Komödie, Coming Of Age und Beziehungsdrama balanciert Anderson meisterhaft die einzigartigen Figuren seines typischen Mikrokosmos aus Skurrilität und Lakonie. Dialoge und Handlung sind durch und durch brillant, feingeistig und absolut kurzweilig. Schwartzman als Teenie-Nerd ist ebenso hervorragend wie Olivia Williams als verwitwete Lehrerin. Bill Murray spielt seine für mich beste Rolle neben LOST IN TRANSLATION und BROKEN FLOWERS und ist sowieso immer ein Hochgenuss.
Ein seltenes Meisterwerk der stillen Töne, ein Wohlfühlfilm in dem nahezu alles stimmt und den man am liebsten direkt noch einmal sehen möchte...
Text: Le Samourai
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Freitag, 4. November 2011
The Green Hornet (2011, Dir: Michel Gondry)
Was mich wirklich überrascht: THE GREEN HORNET ist kein schlechter Film. Der erste Ausflug des unbändig kreativen Independent-Franzosen Michel Gondry ins Blockbuster-Hollywoodkino ist mehr als geglückt. Da ich großer Fan seiner bisherigen Arbeit bin (im Besonderen BLOCK PARTY und ETERNAL SUNSHINE OF THE SPOTLESS MIND) war ich bis heute äußerst skeptisch, ob ausgerechnet Gondry der richtige Mann für die nächste der unzähligen Comicverfilmungen dieses jungen Jahrtausends sei; nebenbei bemerkt nicht gerade mein Lieblingsgenre, da die meisten Filme dieser Art doch im uninspirierten, langweiligen, nervigen, lauten und unlustigen Einheitsbrei untergehen. Doch Gondrys Wechsel zum (scheinbaren) Blockbusterkino ist mehr als geglückt. Als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht inszeniert er technisch gekonnt und immer mit einer großen Portion Ironie handgemachte Action und führt das eher untypische Schauspielensemble sicher durch seine Genre-Parodie.
Wie bereits im Intro durch das Enthaupten des Spielzeug-Supermans augenzwinkernd angekündigt, geht's dem Superheldengenre in den folgenden zwei Stunden sprichwörtlich an den Kragen. Allein die Besetzung Seth Rogens als Protagonist ist zu gleichen Teilen ungewöhnlich wie gewagt, aber genau die richtige Entscheidung gewesen, denn sein spezieller Humor tut der ohnehin höchst ironischen Geschichte mehr als gut. Dazu liefert Christoph Waltz als kongenialer Bösewicht eine weitere Glanzleistung ab und es ist wirklich eine wahre Freude, ihm beim Spiel des osteuropäischen Gangsterbosses mit ernstzunehmenden Persönlichkeitsproblemen zuzusehen.
Klar will das Zielpublikum durch Actionsequenzen unterhalten werden, klar kann man hier kein Kreativmeisterwerk wie ETERNAL SUNSHINE oder SCIENCE OF SLEEP erwarten, klar musste sich Gondry mit seinem surrealen, skurrilen Stil etwas zurückhalten, trotzdem bekommt man einen erfrischend anderen Hollywoodblockbuster geboten, der einfach verdammt unterhaltsam ist und es auf jeden Fall wert ist, gesehen zu werden...
Text: Le Samourai
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Mittwoch, 2. November 2011
The Darjeeling Limited (2007, Dir: Wes Anderson)
Wow! Alle paar Schaltjahre kommt wirklich mal eine Hollywoodkomödie, mit der ich was anfangen kann.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass dies erst - nach der gelungenen Tiefseeexpedition mit Bill Murray - mein zweiter Anderson ist, und auch gleichzeitig der bessere der beiden. Bereits nach 3 Minuten war die Begeisterung und Verzückung groß, denn Wes Anderson verursachte bei mir mit seiner GRANDIOSEN Eröffnungssequenz (Bill Murray, der verzweifelt versucht noch auf den gerade vom Bahnhof abfahrenden Darjeeling Limited Zug aufzuspringen, aber zu langsam ist, und demnach auch leider im Film keine Rolle mehr spielen wird. Großartig!) derart gute Laune, welche die kommenden 90 höchst amüsanten Minuten konstant anhielt.
Proletenhumor: Fehlanzeige. Abgedroschene 08/15-Slapstick Einlagen: Fehlanzeige. Flache, austauschbare Stereotypen: Fehlanzeige.
Mit viel Lakonie und Absurdität erzählt Wes Anderson eine konstant aberwitzige, aber zugleich immer tiefgehende, melancholische Geschichte von Verlust und Selbstfindung. Es ist eine Freude, seinem Trio Infernale Jason Schwartzman, Adrien Brody und Owen Wilson dabei zuzusehen, wie sie voller Spielfreude Andersons genial vielschichtigen Charaktere verkörpern und die auf sie maßgeschneiderten Dialogfeuerwerke zünden.
Schade, dass solche gleichermaßen intelligenten wie tiefgründigen Komödien immer seltener das Licht der Erde erblicken. Wes Anderson ist hier eine willkommene Ausnahme...
Text: Le Samourai
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Sonntag, 30. Oktober 2011
Melancholia (2011, Dir: Lars von Trier)
In 2 Kapitel unterteilt behandelt von Triers neuestes Werk MELANCHOLIA nicht mehr und nicht weniger als den Weltuntergang. Um sich danach voll und ganz seinen beiden Hauptfiguren zu widmen, lässt er direkt zu Beginn den Planeten Melancholia in wunderschönen Extremzeitlupen mit der Erde kollidieren. Ob es nun Zufall ist, dass in Malicks TREE OF LIFE Anfang des Jahres genau das Gegenteil, nämlich die Entstehung der Erde, in ähnlich intensiven Bildern zelebriert wurde, oder ob von Trier so dem Kinojahr 2011 seinen apokalyptischen Stempel aufdrücken wollte, wird unbeantwortet bleiben.
-----SPOILER-------
Anders als die meisten Untergangs-Filme vermeidet der Däne im Folgenden die Standard-Kulisse Großstadt und entführt den Zuschauer stattdessen auf ein majestätisches Grundstück umringt von prächtigster Natur. In einem großzügigen Herrenhaus feiern Justine (Kirsten Dunst) und Michael (Alexander Skarsgård) ihre Hochzeit mit Freunden und Familie. Die zu Beginn scheinbar unbeschwerte Justine offenbart im Laufe der Feierlichkeiten mehr und mehr ihre seelischen Abgründe, die in einer tiefen Depression begründet liegen. Ihre Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) ist unterdessen stets darauf bedacht die pompöse Feier nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, was vor allem ihre manipulative Mutter aber immer wieder gekonnt torpediert.
Nach dem Geschlechtsverkehr mit einem wahllosen Party-Gast offenbart Justine ihrem Gatten, dass die beiden keine Zukunft haben, woraufhin er abreißt. Als auch ihr Vater sich von ihr abwendet und die Feier verlässt, scheint sie die Depression endgültig zu übermannen.
Nach dem Geschlechtsverkehr mit einem wahllosen Party-Gast offenbart Justine ihrem Gatten, dass die beiden keine Zukunft haben, woraufhin er abreißt. Als auch ihr Vater sich von ihr abwendet und die Feier verlässt, scheint sie die Depression endgültig zu übermannen.
Kapitel 2 nimmt seinen Anfang am darauf folgenden Morgen und beschäftigt sich hauptsächlich mit Claire. Die fürsorgliche Schwester kümmert sich aufrichtig um die nun scheinbar manisch depressive Justine. Die schon am Vorabend gemachte Entdeckung, dass der Planet Melancholia wohlmöglich auf Kollisionskurs mit der Erde steht, tut Claires Ehemann John (Kiefer Sutherland) mit akademisch-elitärer Arroganz zwar zu Beginn noch ab, begeht er kurz vor dem großen Finale in tödlicher Gewissheit aber doch Selbstmord und überlässt seine Frau und Kind samt Justine dem unausweichlichen Schicksal.
Mit der wachsenden Bedrohung des immer näher kommenden Planeten kehrt sich Justines Depression immer mehr in eine Art Vorfreude auf Erlösung um und gipfelt schließlich in einem freudigen Grinsen im Moment des Einschlags des Planeten. Unterm Strich illustriert von Trier an den Geschwistern Justine und Claire unterschiedliche Formen dem Tod gegenüberzutreten und den Umgang mit dem auftretenden Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit.
Mit der wachsenden Bedrohung des immer näher kommenden Planeten kehrt sich Justines Depression immer mehr in eine Art Vorfreude auf Erlösung um und gipfelt schließlich in einem freudigen Grinsen im Moment des Einschlags des Planeten. Unterm Strich illustriert von Trier an den Geschwistern Justine und Claire unterschiedliche Formen dem Tod gegenüberzutreten und den Umgang mit dem auftretenden Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit.
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MELANCHOLIA weißt nicht nur inhaltlich (2 Protagonisten, kaum Ortswechsel) sondern auch optisch deutliche Ähnlichkeiten zu von Triers Vorgänger ANTICHRIST auf. Die wunderschön, fast fotografisch ausgeleuchteten Bilder des Anwesens in Kombination mit den extremen Zeitlupen der Figuren wirken oftmals surreal und erinnern stark an Bilder aus dem Vorgängerfilm. Zudem steht auf der optischen Ebene wieder die Natur im Mittelpunkt.
Im Gesamten betrachtet ist MELANCHOLIA ein sehr sperriger Film, der mir jedoch trotzdem, oder gerade deswegen, viel Spaß gemacht hat und dessen wohl größte Stärke in dem wirklich herausragenden Schauspieler-Ensemble liegt. Neben der gewohnt starken Charlotte Gainsbourg muss aber Kirsten Dunst hervorgehoben werden, die von Anfang bis Ende in ihrer schwierigen Rolle brilliert und sich ihre Cannes-Auszeichnung allemal verdient hat.
Wie so oft wird die zweite Sichtung meine endgültige Beurteilung hervorbringen. Bis dahin: Chapeau Herr von Trier, ein toller Film!
Wie so oft wird die zweite Sichtung meine endgültige Beurteilung hervorbringen. Bis dahin: Chapeau Herr von Trier, ein toller Film!
Text: andyewest88
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Lars von Trier lässt zu Wagners Tristan und Isolde die Welt untergehen - und kann dabei ja nur scheitern.
Nach seinem letzten Meisterwerk ANTICHRIST waren die Erwartungen natürlich entsprechend hoch, zumal MELANCHOLIA bis in die kleinste Nebenrolle wirklich hervorragend besetzt ist und von Triers größte Stärke, das Maximum aus seinen Darstellern herauszuholen, auch hier als einzig Positives erwähnt werden muss. Dass ich noch erleben darf, dass Jack Bauer in einem Lars von Trier Film eine der Hauptrollen spielt, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet. Aber gute Schauspieler machen nunmal noch lange keinen guten Film.
Der Großteil von MELANCHOLIA ist schlicht langweilig, zäh wie Kaugummi und einfach nicht glaubhaft genug geschrieben/ erzählt.
Wenn man eine epische, gekonnte Exposition sehen will, schaut man besser Malicks' Meisterwerk TREE OF LIFE. Wenn man ein - intensives - Familienfest mit sich auftuenden Abgründen im Dogma95-Stil sehen will, schaut man besser Vinterbergs' FESTEN. Wenn man den Weltuntergang sehen will - Achtung, jetzt wird's polemisch - schaut man vielleicht doch besser Michael Bay.
Das Ende des von der Intention her ernsten und melancholischen Filmes hat mich sogar zum Lachen gebracht - eigentlich die Höchststrafe...
MELANCHOLIA ist weit entfernt davon, von Triers neues "Meisterwerk" zu sein. Zu groß die dramaturgischen Schwächen, zu groß die Thematik.
Text: Le Samourai
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Lars von Trier lässt zu Wagners Tristan und Isolde die Welt untergehen - und kann dabei ja nur scheitern.
Nach seinem letzten Meisterwerk ANTICHRIST waren die Erwartungen natürlich entsprechend hoch, zumal MELANCHOLIA bis in die kleinste Nebenrolle wirklich hervorragend besetzt ist und von Triers größte Stärke, das Maximum aus seinen Darstellern herauszuholen, auch hier als einzig Positives erwähnt werden muss. Dass ich noch erleben darf, dass Jack Bauer in einem Lars von Trier Film eine der Hauptrollen spielt, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet. Aber gute Schauspieler machen nunmal noch lange keinen guten Film.
Der Großteil von MELANCHOLIA ist schlicht langweilig, zäh wie Kaugummi und einfach nicht glaubhaft genug geschrieben/ erzählt.
Wenn man eine epische, gekonnte Exposition sehen will, schaut man besser Malicks' Meisterwerk TREE OF LIFE. Wenn man ein - intensives - Familienfest mit sich auftuenden Abgründen im Dogma95-Stil sehen will, schaut man besser Vinterbergs' FESTEN. Wenn man den Weltuntergang sehen will - Achtung, jetzt wird's polemisch - schaut man vielleicht doch besser Michael Bay.
Das Ende des von der Intention her ernsten und melancholischen Filmes hat mich sogar zum Lachen gebracht - eigentlich die Höchststrafe...
MELANCHOLIA ist weit entfernt davon, von Triers neues "Meisterwerk" zu sein. Zu groß die dramaturgischen Schwächen, zu groß die Thematik.
Text: Le Samourai
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Donnerstag, 27. Oktober 2011
Fitzcarraldo (1982, Dir: Werner Herzog)
Was für ein Meisterwerk!
Der erste deutsche Film, der von mir die Höchstwertung bekommt. Dass der Film überhaupt existiert, ist vielleicht eines der größten Wunder der Filmgeschichte, heute wäre solch eine Produktion undenkbar. Zu feige die Produzenten, zu feige die Regisseure, zu gewöhnlich die Darsteller. Das Drehbuch ist famos, Herzogs Umsetzung erschlägt einen vor Wahnwitz. Über Kinski muss man ja eh kein Wort mehr verlieren. Ich bin absolut sprachlos. Der halbe Film war bereits abgedreht, mit Jason Robards, Mick Jagger und Mario Adorf in den Hauptrollen, ehe aus diversen Gründen abgebrochen werden musste und der komplette Film auf der Kippe stand. Zum Glück hat Kinski übernommen und trotz legendären Wutausbrüchen, Mordangeboten an Herzog von den peruanischen Indianern und diversen Unglücken wurde der Film irgendwie fertiggestellt. Werner Herzogs Dokumentation "Mein liebster Feind" sei an dieser Stelle wärmstens empfohlen.
Ein absolut erstaunlicher Höhepunkt der deutschen Filmgeschichte und für mich persönlich der beste deutsche Film, den ich jemals gesehen habe...
Text: Le Samourai
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The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford (2007, Dir: Andrew Dominik)
Irgendwie immer vor mir hergeschoben, nun endlich mal geschaut.
Hinter dem beachtlichen Filmtitel "The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford" verbirgt sich ein absoluter Lichtblick aus der Traumfabrik Hollywood, einer der besten Western der letzten 20 Jahre, ein wunderbar unaufgeregter, wunderschön anzusehender Augenschmaus, der das Cineastenherz höher schlagen lässt. Die Bildkompositionen sind der reinste Wahnsinn und Roger Deakins fügt seiner unfassbaren Vita ein weiteres Highlight hinzu - für mich der beste aktive Kameramann Hollywoods, der im selben Jahr neben "Jesse James" auch noch für seine Arbeit in "No Country for Old Men" oscarnominiert wurde. Schauspielerisch gibt's da ebenfalls wenig zu meckern, die schwierige Figur des Jesse James verkörpert Brad Pitt glaubhaft und ambivalent und liefert eine seiner besten Performances der letzten Zeit ab. Auch Casey Affleck überzeugt vollkommen. Nick Caves' Soundtrack hat mich umgehauen, ein Skandal dass da noch nicht mal ne Oscarnominierung drin war.
Trotz seiner stolzen 160 Minuten kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf, die Inszenierung ist mutig, da sehr gemächlich und unaufgeregt, hat aber gleichzeitig was hypnotisierend-erhabenes.
Blockbusterfans werden ihn hassen, wahre Filmfreunde werden ihre helle Freude an diesem kleinen Meisterwerk haben.
Text: Le Samourai
Cannibal Holocaust (1980, Dir: Ruggero Deodato)
>>Dear Ruggero. What a movie! The second part is a masterpiece of cinematographic realism but everything seems so real that I think you will get in trouble with all the world.<< (Sergio Leone)
Da sollte er Recht behalten, der gute Sergio.
Deodato hat mit CANNIBAL HOLOCAUST einen der kontroversesten und verstörendsten Filme überhaupt geschaffen, aber gleichzeitig einen der technisch perfektesten, realistischsten, intelligentesten und einfach besten Horrorfilme aller Zeiten.
Inszenatorisch und cinematographisch ein absoluter Meilenstein und wegweisend für pseudodokumentarische Filme a la "Blair Witch Project", der Soundtrack zählt für mich zu den fünf besten aller Zeiten.
Geliebt, gehasst, verehrt, verboten. Ein Meisterwerk.
Text: Le Samourai
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Der Fuhrmann des Todes (1921, Dir: Victor Sjöström)
Sich überlagernde Zeitebenen, Farbfilter, Mehrfachbelichtung, der Grad der Innovation ist aussergewöhnlich.
"Körkarlen" brilliert in seiner Experimentierfreudigkeit als dickenssche Geistergeschichte, in der die Figuren zwischen den scharfen Kontrasten aus dem Nichts erscheinen und ebenso schnell wieder mit der Dunkelheit verschmelzen um uns die Moral vor Augen zu führen. Ein atmosphärisches Lehrstück in cineastischer Horrorgeschichte, welches in einigen, vielgepriesenen Werken der letzten 90 Jahre deutlich resoniert.
Text: FredFuchs
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Dienstag, 6. September 2011
Suspiria (1977, Dir: Dario Argento)
Ein düster-bunte Geisterbahnfahrt, die von Herzen kommt und das Auge erfreut.
Argento schafft es gekonnt, das plakativ-expressionistische mit dem surreal-subtilen zu verbinden. Das Produktionsdesign sieht aus, als hätte sich Salvador Dalí den "Red Room" aus Twin Peaks vorgenommen und liebevoll überarbeitet. Der famose Soundtrack von Goblin sticht stark hervor und hämmert sich unaufhörlich ins Trommelfell.
Hier ist wirklich alles möglich. Es überraschen nicht einmal auf dem Tisch schuhplattlernde Bayern in Lederhosen. Wenn dann auch noch Udo Kier (ist der eigentlich in JEDEM Film dabei?) und Karl May-Darsteller Rudolf Schündler auftreten und sich sogar der deutsche Film kurz im Glanze dieses Kunstwerks sonnen kann, dann hat man wirklich etwas nicht allzu Alltägliches gesehen...
Text: Gordon Cole
Blue Valentine (2010, Dir: Derek Cianfrance)
Ausgezeichnetes Liebesdrama, wohltuend unkitschig, minimalistisch, authentisch und mit genügend Freiraum für die tollen Hauptdarsteller. Wenn Gosling und Williams jeweils einen Oscar gewinnen würden, könnte man sich nicht beschweren. Ersteren hatte ich bislang eher als reinen Schönling wahrgenommen. Da lag ich wohl ziemlich daneben...
Text: Gordon Cole
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Inside Job (2010, Dir: Charles Ferguson)
Man weiß eigentlich schon vorher, was einen bei diesem Dokumentarfilm erwartet. Interessant und schockierend ist er trotzdem, dazu noch fabelhaft gefilmt, geschnitten und für uns Laien - nicht zu vereinfacht, aber auch nicht zu schwierig - hübsch aufbereitet. Das, was Ferguson macht und wie er es macht, kann man kaum besser machen.
Neben all der Undurchsichtigkeit der katastrophalen Abläufe sind es am Ende doch immer nur vier entscheidende Buchstaben: G-I-E-R
Anstatt den ganzen Film Investmentbanker & Co (völlig zu Recht) zu entlarven, hätte mir persönlich ein stärkerer gesellschaftlicher Zusammenhang noch besser gefallen. Der Werteverfall zeigt sich bei den Millionären sicherlich am deutlichsten und hat die schlimmsten Auswirkungen - Familie X, die am anderen Ende der Kette steht und unbedingt ein Haus mit Pool braucht, weil der Nachbar auch eins hat, wäre ein weiteres Puzzleteil eines traurigen Gesamtbildes, zu dem "Inside Job" den größten und wichtigsten Teil bereits zusammengebaut hat.
Text: Gordon Cole
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"Why should a financial engineer be paid four times to hundred times more than a real engineer? A real engineer builds bridges, a financial engineer builds dreams. And when those dreams turn out to be nightmares, other people pay for it!"
Wichtiger, unglaublich gut recherchierter und konstruierter Dokumentarfilm über die Weltwirtschaftskrise 2008, deren Ursachen, Ausmaße und Folgen.
Die intelligente, nicht-polemische Version von "Zeitgeist" oder den Werken von Michael Moore.
Die intelligente, nicht-polemische Version von "Zeitgeist" oder den Werken von Michael Moore.
ABSOLUTES PFLICHTPROGRAMM!
Text: Le Samourai
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"Inside Job" macht da Boden gut, wo bei der "Zeitgeist"-Reihe zu Gunsten von Polemik geschlampt wurde und eröffnet bodenständig aber zielgerichtet einen Einblick in die wahnwitzigen Hergänge des desaströsen Zustandes, indem sich unsere globalisierte Wirtschaft heute befindet. Relativ unmißverständliche Aussagen verschiedenster "Finanzingeneure", die sich zum Teil um Kopf und Kragen reden, reflektieren die Undurchsichtigkeit und den daraus resultierenden Nährboden für Anarchisierung des Finanzsystems sowie die unvermeidlichen negativen Konsequenzen für die Bevölkerung. Der Film entlässt den Zuschauer in eine harte Realität; mehr oder weniger mit der Frage: "What the f...?"Text: MxMushrooms
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Following (1998, Dir: Christopher Nolan)
Eindrucksvolles Regiedebüt des unbestritten hochtalentierten Christopher Nolan, der mit unfassbaren 6.000 Dollar einen intelligenten, atmosphärisch dichten Film Noir-Thriller geschaffen hat - als Writer, Kameramann und Regisseur in Personalunion.
Hier zeigt sich ganz deutlich sein Ausnahmetalent, sein filmisches Gespür, seine Qualitäten als Autor. Leider ging all das in seinem letzten Film INCEPTION etwas verloren, zu Lasten von Hochglanzballerei und dem Prinzip style over substance. Bleibt zu hoffen, dass er sich irgendwann mal wieder auf seine Wurzeln besinnt und ähnlich grandioses wie FOLLOWING oder auch MEMENTO abliefert...
Text: Le Samourai
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Manhattan Murder Mystery (1993, Dir: Woody Allen)
Ein fantastischer Woody, und einer der spannendsten! Diesmal begibt er sich auf Hitchcocks Pfade des Murder Mystery und vereint sich (endlich) wieder mit Diane Keaton. Das Mittfünfziger-Ehepaar harmoniert nach wie vor hervorragend und macht einfach verdammt Freude.
Larry: "Do you remember I took you to see "Last year at Marienbad" on our first date?"
Carol: "Yeah, I had to explain it to you for six months."
Larry: "Who knew they were flashbacks?"
Großartig.
Text: Le Samourai
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